Das beste unscharfe Foto, das ich jemals gemacht habe.
Zum überraschenden Papstrücktritt fiel mir das beste unscharfe Foto ein, das ich jemals gemacht habe. Köln 2005, Weltjugendtag: Ein Großereignis mit hundertausenden Teilnehmern und ich hätte beinahe den Papst gerammt.
Nach mehreren Sicherheitsüberprüfungen gestattete man mir und meiner Kamera den Aufenthalt "im Dunstkreis" des Papstes auf dem Altarberg. Eine Ännäherung auf Sicht per Teleobjektiv war das Beste, was man sich fotografisch erhoffen konnte, zumal man während des Gottesdienstes nur den Rücken zu sehen bekam.
Nun wollte ich aber ein Foto von vorne und postierte mich zum Veranstaltungsende vorausschauend in Richtung Papamobil. Da würde er ja vorbeikommen müssen. Sein Weg zum "Saftey Car" wurde dann aber (entgegen des Protokolls) zum Bad in der Menge. Die Menge waren einige hundert ausgesuchte Vertreter christlicher Gruppen und Organisationen. Total euphorisch drängte und schoben sie in Richtung Papst. Ich wurde auch geschoben und zwar ihm entgegen! Alles war wie in Zeitlupe, aber unaufhaltsam. Ich schaffte es noch, eine kurze Brennweite aufzusetzen, die Objektivtasche nach vorne zu schlingen, weg von der drückenden Menge hinter mir. Der Abstand betrug keine 3 Meter mehr - würde es so weiter gehen, würde ich als die Fotografin in die Geschichte eingehen, die mit dem Papst zusammenstieß. Mit aller Kraft stemmte ich mich also zurück. Der Papst war nun so nah wie Sie jetzt ihrem Bildschirm. Ich nahm die Kamera über Kopf, durch den Sucher zu schauen ging nicht, es war kein Platz mehr zwischen ihm und mir. Er streifte mich, ich löste Pie mal Daumen die Kamera, am ausgestreckten Arm aus. Die Distanz war zu gering, als das der Fokus noch hätte scharfstellen können.
Der Papst schien (anders als seine vatikanischen Sicherheitsleute) das unorganisierte Bad in der Menge genossen zu haben und ich denke, es ist das beste unscharfe Foto, das ich je gemacht habe ;-)
Bad in der Menge, letzter Blick und Abfahrt im Papamobi. Ganz schön aufregend...
Aktuell auch zurückgetreten:
Annette Schavan. Das Foto ist vor einigen Jahren entstanden unter wesentlich weniger Gedränge.
Fotos (c) Carina C. Kircher






